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Ausgabe - vom (Datum): 27-06.07.2003




Die Demokratischen Sparkommissare

Von Lutz Taubert

In diesen Tagen wird in der bayerischen Landeskirche heftig geplant und gerechnet: Eine leider zutiefst binnenkirchliche Spar-Diskussion führt geradewegs zur Zukunfts-Entscheidung über den bayerischen Protestantismus. Es geht - in Zahlen und Stellen - um 75 bis 100 Millionen Euro, die den Kirchenetat »strukturell« ins Minus treiben, und damit, umgerechnet, um 1200 Stellen. Dies ist eine Diät, die nicht nur ein paar Fettpölsterchen abbaut, sondern im schlimmsten Fall an Mark und Knochen greift. Wird diese Kirche, verschlankt oder abgemagert um ein Sechstel ihres Haushalts, ihre Aufgabe weiterhin erfüllen, für alle evangelische Christen da zu sein, und darüber hinaus, so wünschen wir uns, auch eine gesamtgesellschaftliche Rolle inne haben?

Wieso ist die Frage einer binnen- oder eben doch besser überkirchlichen Sicht hier von Belang? Weil die Spardiskussion die Interessen und Bedürfnisse der vielen Kirchenmitglieder mitbedenken muss, die nicht am Gemeindeleben teilnehmen, aber den Kontakt zur Kirche auf anderem Wege halten (und im übrigen Kirchensteuern zahlen).

Und eben deshalb geht es nicht allein um Geld und Stellen, sondern es geht um: Inhalte. Welche kirchlichen Arbeitsfelder haben Vorang (Priorität), welche sind nachrangig (posterior). Es ist schon kurios: Seit mindestens zwei Jahrzehnten beschäftigen sich kirchenleitenden Organe mit der Prioritäten und Posterioritäten-Benennung (so intensiv und häufig, dass man die entsprechende Kommission zur PriPoKo einkürzte). Und nun muss die Entscheidung, wo im Sinne der PriPoKo Geld und Stellen gespart werden, in sechs Monaten übers Knie gebrochen werden.

Die gute Nachricht in der Hektik dieser Tage ist, dass der Anstoß zum grausamen Millionenpoker zu Recht von der Synode kam, dem demokratisch legitimierten Kirchenleitungsorgan. Einem synodalen Lenkungsausschuss fällt das Verdienst zu, erstmals Nachrangigkeiten beim Namen genannt zu haben; das tat weh, darüber wurde und wird erbittert diskutiert (Das Sonntagsblatt berichtete ausführlichst). Aber nochmals: Die Sparkommissare, die die Streichliste ausbrüteten, sind demokratische Sparkommissare, gewählte oder berufene Synodale. An diesem Wochenende wird beim sogenannten »Ausschuss-Tag« der Landessynode, unter Beteiligung aller 105 Synodalen, die Entscheidung wesentlich vorbereitet, die dann das Plenum der Synode im November mit dem Etatansatz 2004 im Grunde nur noch bestätigen kann.

Für die Öffentlichkeit, und zwar eben nicht allein für die innerkirchliche, ist es wichtig, dass die Entscheidung höchst transparent, für Außenstehende durchsichtig ist. Und die Entscheidung muss der Volkskirche insgesamt zugute kommen, und nicht nur ihren innersten Zirkeln.


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abgerufen 07.02.2012, 10.51 Uhr
zuletzt geändert 16.12.2009, 16.57 Uhr

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