Ausgabe - vom (Datum): 26-29.06.2003
Strikter Sparkurs
Von Achim Schmid
Wie geht's - finanziell - uns, wie geht's den anderen? Es ist, aus der Warte der bayerischen evangelischen Landeskirche, ein billiger Trost, auf andere Landeskirchen zu sehen. Alle werden sie, ob in Nord oder Süd, von der schwersten Finanzkrise in ihrer Geschichte gebeutelt. Zwar nahmen die 24 Landeskirchen 2002 rund vier Milliarden Euro an Kirchensteuern ein. Doch die anhaltend schwache Konjunktur in Deutschland lässt die Haupteinnahmequelle der Kirche mehr oder weniger stagnieren.
Überdies könnte das in der Bundesregierung diskutierte Vorziehen der Steuerreform von 2005 auf 2004 der Kirche erhebliche Steuerausfälle bescheren. Die Finanznot hat inzwischen auch begüterte Landeskirchen wie eben die Protestanten in Bayern oder im Rheinland erreicht. Wie mehrmals berichtet, will die bayerische Landeskirche ihren Haushalt von 660 Millionen Euro um 75 bis 100 Millionen dauerhaft absenken. Auch die rheinische Landeskirche hat sich einen strikten Sparkurs verordnet, der den Etat um jährlich sechs Millionen Euro entlasten soll.
Die Gründe für die finanziellen Engpässe liegen vor allem in der demografischen Entwicklung. Die geburtenstarken und steuerkräftigen Nachkriegsjahrgänge gehen in den Ruhestand. Zudem wird der Spitzensteuersatz im nächsten Jahr gesenkt. Davon ist anteilig auch die Kirchensteuer betroffen, die acht oder neun Prozent der Lohn- und Einkommensteuer ausmacht.
Hinzu kommt die Schere zwischen sinkenden Kirchensteuereinnahmen und steigenden Personalkosten. Die meisten evangelischen Landeskirchen haben in besseren Zeiten ihren Personalbestand kräftig ausgeweitet. Immer mehr Theologen wurden mit »Sonderpfarrstellen« beauftragt, etwa für gesellschaftliche Fragen wie Gentechnik oder für Behinderte, für die Beobachtung von Sekten, für Umwelt oder kirchliche Medienarbeit.
Auf die Krise reagieren die Landeskirchen mit unterschiedlichen Gegenmaßnahmen. In der Diskussion sind auch einschneidende Schritte wie die Reduzierung von Leistungen, der Verkauf von Kirchen in City-Lagen und die Zusammenlegung von Gemeinden. Nur eine finanzielle »Radikalkur« helfe angesichts der Krise, sagt der Finanzreferent der hessisch-nassauischen Kirche, Heinz Thomas Striegler. Seine Landeskirche verzeichnete in den ersten vier Monaten dieses Jahres einen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um zehn Prozent. - Die Kirchensteuerentwicklung zwingt auch die katholischen Bistümer zum Sparen. Am größten ist die Not im Erzbistum Berlin mit 150 Millionen Euro Schulden: 400 Stellen sollen abgebaut werden, die Zahl der Gemeinden wird auf 106 halbiert.
Um einen spürbaren Abbau ihrer Personalstellen werden auch die meisten der 24 protestantischen Landeskirchen, die zusammen 26,6 Millionen Mitglieder haben, nicht herumkommen. In Mecklenburg, Bayerns Partnerkirche, sollen 24 der 325 vollen Stellen für Kirchenbeamte gestrichen werden. Am konsequentesten ist diesen Weg die badische Landeskirche gegangen, die seit Jahren Pfarrerstellen nicht mehr besetzt.
Übersicht | Druckversion | Textdatei
|