Ausgabe - vom (Datum): 22-01.06.2003
»Kürzungsziel ist die Schließung«
Zweite Sparrunde in der Landeskirche. Oder: Was sich hinter einem moderat klingenden Vorschlag verbirgt
Die bayerische Kirche ist auf hartem Sparkurs - erst allmählich wird Betroffenen klar, was das für sie heißt. Zwei Beispiele: die Medienzentrale und die Umweltarbeit.
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 | | Medienzentrale vor dem Aus? Jürgen Plotz und seine Mitarbeiter (hier: Marianne Schwarz) verleihen jährlich 18.000 Medien. Foto: emz

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Erst schlug die Synode ein massives Sparkonzept über 75 Millionen Euro vor, und die potenziell Betroffenen schrien auf; alsdann zog das andere kirchenleitende Organ, der Landeskirchenrat, mit einem modifizierten Spar-Modell nach; ihm gelang das Kunststück, noch mehr, nämlich gleich 90 Millionen, aus dem strukturell defizitären Etat der bayerischen Landeskirche herauszukürzen und dennoch, wie es scheint, ein geringeres Maß an Verwünschungen zu provozieren als die Sparkommissionäre des Kirchenparlaments. Dennoch: Auch die Opfer der zweiten Sparrunde melden sich, verspätet, nun zu Wort.
Vielleicht auch, weil sie nicht so genau informiert wurden. Der Vorschlag, den Etat des Religionspädagogischen Zentrums Heilsbronn um 20 Prozent zu drücken, klingt zunächst moderat. Auf Nachfrage lautete dann die Auskunft des Landeskirchenrats: »Kürzungsziel ist die Schließung der Evangelischen Medienzentrale«, die eine Abteilung des Zentrums ist. Eine harte Mitteilung für Medienzentrale-Leiter Klaus Ploth und seine neun Mitarbeiter. Die Medienzentrale bietet für Religionsunterricht und Gemeindearbeit aktuelle audiovisuelle Medien wie Filme und Diaserien an. Im letzten Jahr wurden - nach eigenen Angaben - 18.000 Medien verliehen, die 569.000 Menschen erreichten. Es sind zu drei Viertel die Schulen und zu einem Viertel die Gemeinden, die sich der Medienpakete bedienen. Ploth hält das Argument, der Verleih erfolge sowieso bald über Internet, für gefährlich falsch. Lizenz-und urheberrechtliche Fragen seien ungeklärt. Faktisch stehen die Medien derzeit nicht online zur Verfügung. So ginge ein über Jahre gehorteter Schatz ausgezeichneter Medien verloren, die gerade in die Gesellschaft hinein wirken. Die Dekanantsmedienstellen könnten das bayernweite Angebot unmöglich ersetzen. In einer Unterschriftenliste sammelt Ploth nun Stimmen gegen die Schließung.
Betroffen vom neuen Sparkurs zeigt sich auch die kirchliche Umweltarbeit. Umweltbeirat und Konferenz der Umweltbeauftragten zitieren in einer Erklärung die Synode selbst, die 1989 die institutionelle kirchliche Umweltarbeit mit dem Satz begründete: »Bewahrung der Schöpfung ist zum Nulltarif nicht zu haben.« Nun wird der landeskirchlichen Umweltbeauftragte zwar nicht auf Null, wohl aber auf 0,5 gesetzt.
Bemerkenswert an dem Umweltschützer-Papier ist neben dem ethischen Appell die rein materielle Begründung kirchlicher Umweltarbeit. Nach Umweltschützer-Rechnung erwirtschaftet der hauptamtliche Umweltbeauftragte landeskirchenweit einen Gegenwert von 500.000 Euro an Einsparungen, fast dreimal so viel, wie sein Referat kostet. Womit gemeint ist: Dieses einzusparen, lohnt sich also nicht!
Lutz Taubert
Weitere Resonanz zum Sparkurs
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