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Ausgabe - vom (Datum): 21-25.05.2003




Unabhängige Kirchenpublizistik

EKD-Synodaler Schibilsky regt Gesamtkonzept an

München. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) braucht nach Überzeugung des Theologen und EKD-Synodalen Professor Michael Schibilsky (München) dringend ein publizistisches Gesamtkonzept. Für die Kirche und die Vermittlung ihrer Werte habe die professionelle Publizistik eine »kaum zu überschätzende Rolle«, betonte Schibilsky in einem Interview mit dem Fachdienst »Kirche und Kommunikation« (München). Denn die Medien seien der moderne Marktplatz, auf dem »nicht nur Waren, sondern auch Sinn und Werte gehandelt« werden.

»Alles, was Kirchentreue und Kirchendistanzierte über die Kirche wissen, wissen sie vorwiegend aus den Medien«, sagte der Professor für Praktische Theologie an der Universität München, der auch Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist. Die freie evangelische Publizistik sei deshalb ein Dienst der Kirche an »kirchenfernen« Menschen, die sich über die Medien einen kontinuierlichen Eindruck verschaffen, »was mit dem Glauben in dieser Welt geschieht«. Wer die freie kirchliche Publizistik antaste, »tastet das Recht der freien und unabhängigen Meinungsbildung an«, so Schibilsky. »Kirchliche Publizistik ist Anwältin des Publikums«, sagte der Theologe. »Sie nimmt wahr, was in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.«

Gerade in »Krisenzeiten« sei die Kirche, so Schibilsky weiter, auf die mediale Kompetenz von Fachleuten und unabhängige Publizistik angewiesen. Deshalb könne das »mit hervorragender Professionalität« gemachte, kostenlos abgegebene Mitglieder-Magazin »Chrismon« nur eine Ergänzung dieser Publizistik sein. Es sei ein »Irrweg«, kritischen kirchlichen Nachrichtenjournalismus durch »unterhaltsame und gefällige Gesinnungspublizistik« ersetzen zu wollen. Es stehe außer Frage, dass es professionelle kirchliche Öffentlichkeitsarbeit geben müsse, aber sie dürfe sich »nicht überschätzen«. Journalisten in den Tageszeitungs-Redaktionen wüssten sehr wohl zu unterscheiden zwischen »PR-Informationen und fundiertem Nachrichten-Journalismus«, sagte Schibilsky.

Bei aller notwendigen journalistischen Freiheit hat die kirchliche Publizistik nach der Überzeugung Schibilskys aber auch unumstößliche Grenzen. »Solidität, Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit« müssten die »Grundtugenden« dieser Publizistik sein.

Damit sei ein »reißerischer Boulevard-Journalimus« nicht vereinbar, betonte Schibilsky, der vor seiner Berufung an die Münchner theologische Fakultät Direktor des Evangelischen Presseverbandes für Lippe und Westfalen war und mit zahlreichen Büchern über Medien und Diakonie an die Öffentlichkeit getreten ist.

epd/sob


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 Michael Schibilsky

 Warnt vor »Irrweg Gesinnungspublizistik«: Diakonie- und Medienwissenschaftler Michael Schibilsky.
/03/2003_21_21_01.php
abgerufen 10.09.2010, 12.36 Uhr
zuletzt geändert 16.12.2009, 16.57 Uhr

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