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Ausgabe - vom (Datum): 21-25.05.2003
»Jeder Gockel kräht vom eigenen Misthaufen«
Angewidert von der Spardebatte
Ich schreibe Ihnen in großer Erregung. Denn die Spardebatte in unserer Landeskirche widert mich zutiefst an. Da geht unsere Kirche durch eine äußerst angespannte finanzielle Krise. Aber statt zusammenzurücken und, an das Gemeinwohl zu denken, erhebt sich ein großes Geschrei und jeder hat ausschließlich seine eigenen Interessen im Blick.
Es ist um keinen Deut besser als im Rest der Gesellschaft auch. Unser Land kommt nicht voran, weil die Wahrung des eigenen Besitzstandes den höchsten Wert darstellt. Muss es in der Kirche auch so sein? Mein Eindruck ist, dass in den letzten Wochen jeder Gockel auf seinen eigenen Misthaufen geklettert ist, nur um von dort möglichst lauthals zu krähen.
Könnte man das Ganze nicht lautloser regeln? Eleganter regeln? Nicht zuletzt auch christlicher regeln? In der katholischen Kirche - meine Frau und ich leben in einer konfessionsverschiedenen Ehe - wäre diese Art der Selbstzerfleischung mit Sicherheit nicht möglich. Das Bild, das wir nach außen vermitteln, ist jedenfalls ziemlich erbärmlich!
Herr D.
Viel Angst im Spiel
Andererseits darf das Ganze nicht aus dem Blick verloren werden. Dies wird sicher nicht überall deutlich, hier trifft Ihre Kritik zu. Bitte bedenken Sie dabei, dass die ersten Sparvorschläge auch viel Angst geweckt haben. Und wenn Angst im Spiel ist, gibt es wenig Platz für Eleganz. Da treibt es den Gockel in uns tatsächlich auf den Misthaufen.
Ob wir in der Kirche vorankommen? Ich meine schon. Die Meinungsbildung zeigt doch auch ein Fortschreiten. Für jeden aufmerksamen Beobachter ist etwa das Bemühen um eine fairere Lastenverteilung deutlich, um eine gerechtere Balance. Dabei sind wir mit dem Klärungsprozess noch nicht am Ende.
Zum Schluss: Bitte bleiben Sie dieser Kirche weiterhin verbunden. Auch so kritisch und temperamentvoll. Wir tun uns miteinander oft schwer und vermitteln nach außen nur selten ein Bild großer Geschlossenheit. Aber hat das Streiten und Ringen - so empfinde ich es zumindest - nicht auch etwas Ehrliches und Liebenswertes?
Waldemar Pisarski
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