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Ausgabe - vom (Datum): 21-25.05.2003




Mit dem Kochlöffel auf Katastrophenhilfe

Die schmackhafteste Wohlfahrtsorganisation der Welt arbeitet in Roßtal bei Fürth

Roßtal. Die schmackhafteste Wohlfahrtsorganisation der Welt heißt Jakob Brendel. Der Küchenmeister aus Roßtal (Dekanat Fürth) hat einen ganz besonderen Dreh gefunden, wie man im Alleingang Geld für gute Taten beschafft. Wann immer Hilfsgelder für Katastrophenopfer oder marode Kirchendächer benötigt werden, kocht der 62-Jährige groß auf. Mit seinen Benefiz-Menüs hat er schon 14.000 Euro erwirtschaftet.


Jakob Brendel
  Mit seinem Kochlöffel hat Jakob Brendel schon über 14.000 Euro für gute Zwecke erwirtschaftet. Foto: Fechter

Fast jeder Bundesbürger hat schon einmal mit Jakob Brendel zu tun gehabt, ohne ihn zu kennen. Mehr als 30 Jahre lang war er Produktentwickler für einen großen Nahrungsmittelkonzern. Namhafte Dosensuppen und Diätprodukte, die in jedem Supermarkt zu finden sind, stammen aus seiner Versuchsküche. Sein Lebensmotto nahm er in den Vorruhestand mit: »Der Mensch muss ein Ziel haben, sonst kann er den Löffel abgeben.«

Als 1998 der Hurrikan Mitch über Mittelamerika tobte, kam dem Ruheständler die Idee, was er mit seinem Kochlöffel noch alles anfangen könnte. Er rief in seinem Pfarramt an: »Wir müssen was für die Leute tun, ihr trommelt möglichst viele Gäste zusammen, ich koche ein Benefizessen.« Die Idee wurde zum Erfolg. Hospizvereine, Kirchengemeinden und Eine-Welt-Initiativen sitzen seither an Brendels Tafel. Auch der bayerische Landesbischof hat schon für einen guten Zweck mitgeschlemmt.

28 Euro samt Wein kostet ein Brendel'sches Fünfgang-Menü. Dazu gehören dann etwa herbstlicher Salat mit Karpfenklößchen, Rehkeule à la Jakob, Omelette Surprise oder gefüllter fränkischer Apfel mit Minz-Schokolade auf Frankenweinschaum. Wenn eine zu große Gästezahl die Möglichkeiten des Ein-Mann-Betriebs überschreitet, dann gibt es eben einfach einige hundert Portionen eigens komponierter Festtagssuppe.

Aber stets gilt: Brendel will nur seine Lebensmittel-Einkäufe ersetzt haben, seine Arbeit kostet nichts. Mittlerweile ist er so ausgebucht, dass er für 2003 nur noch Absagen erteilen kann. Schließlich braucht er auch noch Zeit für Marathons, seine große Leidenschaft. Als Ruheständler ist er die »Big Five« gelaufen, die Marathons von Los Angeles, Berlin, London, New York und Hawaii. Vor allem das T-Shirt vom Los-Angeles-Marathon 2002 trägt er voller Stolz. Denn genau 70 Jahre vorher hatte sein Vater just in dieser Stadt bei den Olympischen Spielen 1932 die Goldmedaille im Bantamgewichts-Ringen gewonnen. Sich zu plagen, macht Jakob Brendel nichts aus, wenn nur das Ziel stimmt, ob als Benefizkoch oder Läufer.

Peter Reindl


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abgerufen 07.02.2012, 10.56 Uhr
zuletzt geändert 16.12.2009, 16.57 Uhr

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