Ausgabe - vom (Datum): 21-25.05.2003
Sonntagsblatt-Umfrage zum Sonntag »Rogate« (Betet!)
Hilft Ihnen beten?
Gott hat mir einen großen Wunsch erfüllt
»Beten habe ich als Kind von meiner Großmutter gelernt. Und Gott hat mich erhört: Mein Vater kam 1949 aus Sibirien zurück. Das war ein großer Wunsch. Aber bis heute erlebe ich, dass er kleine Dinge genauso erhört, auch manchmal »nein« sagt. Das bringt mich aber nicht von ihm ab. Beten hilft auf jeden Fall. Wenn Gott mich erhört, habe ich viel Grund zum Danken. Erfüllt er meine Bitten nicht, hält er etwas Besseres für mich bereit.«
Diakonisse Rosemarie Schmollinger (64) Leiterin des Blauen Kreuzes, Würzburg, Foto: Krämer
Ich möchte mich beim Beten in Gottes Hände legen
»Ja, Beten hilft mir. Denn Beten ist für mich ein intensiver Austausch mit Gott. Wenn ich bete, kann ich mich frei machen von irgendwelchen fixen, vorgefertigten Vorstellungen, wie ein Ergebnis auszusehen hat, das ich mir vorstelle, auf das ich mich fixiere. Beim Beten lege ich mich ganz in Gottes Hände. Denn Gott ist es, der mir so einen Weg aufzeigt, nicht ich selbst. So kann ich das, was immer auch kommt im Leben, besser annehmen.«
Eva Tillmetz (39), Familientherapeutin in Regensburg, Foto: Themessl
Beten: Ein weiter Weg, nicht immer geradlinig
»Grundsätzlich: Ja. Ich kann vor Gott Dinge aussprechen; allein das hilft jedoch weiter. Ich habe auch schon ganz konkret die Erfahrung gemacht, dass Gebete erhört worden sind. Manchmal lassen sich Dinge auch durch ein Gebet nicht verändern, wohl aber die eigene Sichtweise. Auch das kann sehr wertvoll sein. Es ist jedenfalls manchmal ein sehr weiter und nicht immer ein geradliniger Weg, den man gehen muss.«
Gerhard Knoth (39), Landessynodaler und Pfarrer in Hersbruck, Foto: Sob
Gelassen werden, aber nicht tatenlos
»Ich habe noch nie jemanden, der betet, sagen hören: Beten hilft nicht. Es geschieht etwas, wenn auch vielleicht nicht so, wie ich es erwarte. Wer betet, kann sein Leben anschauen und gelassen werden. Er kann aber auch über seinen Horizont hinausschauen und sich auf die Wirklichkeit einlassen, die wir Gott nennen. Gebete sind aber kein Ersatz für das Tun. Der Nachsatz »Dein Wille geschehe« bewahrt vor enttäuschter Erwartung. «
Waldemar Pisarski (60), Ev. Erwachsenenbildung, Tutzing, Foto: Petersen
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