Ausgabe - vom (Datum): 21-25.05.2003
Ökumenischer Kirchentag in Berlin
Hoffnung für die Einheit der Christen
Er soll ein Markstein auf dem Weg zur Einheit der Christen werden: Mehr als 190.000 Katholiken und Protestanten werden zum bundesweit ersten Ökumenischen Kirchentag vom 28. Mai bis 1. Juni in Berlin erwartet.
 | 
 | | »Ihr sollt ein Segen sein« lautet das Motto des Ökumenischen Kirchentages in Berlin, zu dem über 190.000 Besucher erwartet werden. Das Foto gehört zur Plakatkampagne des Kirchentages. Foto: Dekt

|
Für die beiden Präsidenten des Kirchentags, die Protestantin Elisabeth Raiser und den Katholiken Hans Joachim Meyer, ist es ein Zeichen dafür, wie sehr die Christen die Gemeinschaft über die Konfessionsgrenzen hinweg ersehnen. Ursprünglich hatten sie gerade mit der Hälfte der Teilnehmer gerechnet.
Zum Kirchentag unter dem Leitwort »Ihr sollt ein Segen sein« haben erstmals gemeinsam der Deutsche Evangelische Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) eingeladen. Das Programm ist mit rund 3200 Einzelveranstaltungen das umfangreichste, das jemals für ein christliches Treffen in Deutschland erstellt wurde. 55.000 Menschen sind aktiv an den Angeboten der Großveranstaltung beteiligt. In der »Agora« auf dem Messegelände stellen mehr als 1100 Gruppen und Initiativen wie auf einem Marktplatz ihre Arbeit vor. Etwa ein Drittel der Dauerteilnehmer ist unter 30 Jahre.
Die Präsidenten Meyer und Raiser erwarten beide, dass die Ökumene dem fünftägigen Treffen den Stempel aufdrücken wird. Es werde einen »kräftigen Impuls« für die Einheit der Christen geben, so Raiser. Gerade wegen mancher Rückschläge in den ökumenischen Beziehungen werde der Kirchentag zum ermutigenden »Hoffnungszeichen« werden, erwartet auch ZdK-Präsident Meyer.
Doch manchen Teilnehmern des Berliner Treffens ist das zu wenig. Sie können nicht verstehen, warum die katholische Lehre ein gemeinsames Abendmahl untersagt. Sie wollen ökumenische Fortschritte - und zwar sofort. Reformgruppen planen deshalb außerhalb des offiziellen Programms in der evangelischen Gethsemane-Gemeinde am Prenzlauer Berg ökumenisch offene Gottesdienste, in denen Katholiken und Protestanten gemeinsam das Abendmahl feiern wollen. Priestern, die sich daran beteiligen, drohen Sanktionen von der Amtskirche.
Dieser Streit hat bereits ein gewaltiges Medieninteresse hervorgerufen, doch den Kirchentag wird er wahrscheinlich nicht prägen. Außer der Ökumene werden das Laientreffen auch andere Themen wie die anstehenden großen Sozialreformen, die Globalisierung und die Folgen des Irak-Krieges beschäftigen.
Wo viel diskutiert wird, wollen Politiker nicht fehlen - an der Spitze Bundespräsident Johannes Rau und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird sich den Fragen von Jugendlichen aus mehreren Ländern stellen, Außenminister Joschka Fischer über die Konsequenzen des Irak-Krieges sprechen. Neben weiteren Ministern kommt auch Oppositionsführerin Angela Merkel.
Burkhard Saul
Übersicht | Druckversion | Textdatei
|