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Ausgabe - vom (Datum): 20-18.05.2003




Neue Finanzquellen entdecken

Mehr Fantasie zum Erhalt kirchlicher Dienste entwickeln

Bei der heftigen Spardiskussion in der Landeskirche ist bisher ein wichtiges Thema vernachlässigt worden: Wie können neue Finanzquellen erschlossen werden, um Finanzierungslücken zu füllen? Es ist zu einfach, nur den Rotstift anzusetzen, um kirchliche Aktivitäten und Arbeitsbereiche zu beschneiden oder zu beenden. Es muss jetzt neue Fantasie entwickelt werden, wie zusätzliche Gelder locker gemacht werden können.

Benötigt werden neben den Sparkommissaren, die über den Streichlisten sitzen, Leute mit Optimismus, Kreativität und Sachkenntnis, die Vorschläge für zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten erarbeiten und konkrete Ratschläge an die Basis geben. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie die Einnahmen verbessert werden können. Hier dazu einige Hinweise.

Beim örtlichen Kirchgeld wird noch immer wenig Leidenschaft entwickelt, um angemessene Ergebnisse zu erzielen. Noch immer ist die Bemessungsgrundlage sehr niedrig, obwohl die Landessynode schon Erhöhungen beschlossen hat. Kaum eine Gemeinde schickt eine Mahnung, wenn Gemeindemitglieder auf den Kirchgeldbescheid nicht reagieren. Mehr Einnahmen wären auch zu erwarten, wenn der Verwendungszweck werbewirksamer dargestellt würde.

Auch bei den freiwilligen Spenden und Kollekten in der Kirchengemeinde hängt die Gebefreudigkeit weitgehend davon ab, ob die Notwendigkeit der Sammlung einleuchtet, der Verwendungszweck gut erläutert und hinterher laufend über die Verwendung der Gaben Rechenschaft abgelegt wird.

Noch immer sind die Gemeindemitglieder zu erstaunlichen Opfern bereit, wenn ihr Herz angerührt wird und eine Aktivität sie überzeugt. Regelmäßige Spender sind mit Hilfe von Fördervereinen, Freundeskreisen, Stiftungen zu gewinnen. Fundraising, wie man heute sagt, ist ein Bereich, der in der Kirche immer noch ein Schattendasein fristet. Sponsoren sind im Bereich der Geschäftswelt und der Wirtschaft zu finden, wenn für beide Seiten ein Gewinn herausspringt.

Die Kirche sollte geschäftstüchtiger werden: Ihre Einrichtungen, Räume; Grundstücke, Dienstleistungen könnten öfter für andere Zwecke genutzt werden, fremden Institutionen zeitweilig überlassen werden, privat vermietet oder verpachtet werden. Ihren Besitz auch geschäftlich zu nutzen, biblisch gesprochen »mit den Pfunden zu wuchern«, muss erst noch gelernt werden.

Zu lange haben sich die Kirchengemeinden in Deutschland darauf verlassen, dass ihnen die Verkoppelung mit dem staatlichen Steuersystem automatisch die Existenz sichert. Man musste nicht wie in anderen Ländern ständig überlegen, wie kann diese und jene Arbeit finanziert werden. In den Jahren der florierenden Wirtschaftskonjunktur profitierte die Kirche von den ständig wachsenden Steuereinnahmen, die auch immer mehr Geld in die Kirchenkasse fließen ließen. Jetzt in Zeiten der Flaute und der Steuerausfälle, bei ständig neuen Steuerreformen, wirkt sich die starke Anbindung ans staatliche Steuersystem verheerend aus. Es kann nicht richtig sein, dass nur ein Drittel der 2,7 Millionen bayerischen Gemeindemitglieder Kirchensteuer zahlt und sie immer noch weniger werden.

Die Kirche wird Schritt für Schritt diese Abhängigkeit vom Staat verringern müssen, um im Lauf der Zeit die Eigenständigkeit ihres Finanzsystems zurück zu gewinnen. Zugleich ist das Bewusstsein in der Bevölkerung zu fördern, dass der Kirche die Beträge freiwillig bezahlt werden, die sie für ihre wichtige Arbeit braucht.

Helmut Winter


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abgerufen 07.02.2012, 10.45 Uhr
zuletzt geändert 16.12.2009, 16.57 Uhr

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