Ausgabe - vom (Datum): 19-11.05.2003
Religionslehrer kritisieren Sparpläne
»Skandalös und unbegreiflich«
Erlangen. Der Protest gegen die auf der jüngsten Landessynode bekannt gewordenen Sparpläne reißt nicht ab. In einem Positionspapier und einem Brandbrief an das Landeskirchenamt wehrt sich die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Religionslehrer an Gymnasien in Bayern gegen die angedachte Schließung der Gymnasialpädagogischen Materialstelle (GPM) in Erlangen.
Nach den Berechnungen des Lenkungsausschusses, der die Sparvorschläge erarbeitet hat, würde eine Schließung der Einrichtung rund 250.000 Euro im Jahr einsparen. »Skandalös und unbegreiflich« findet diese Idee Vera Utzschneider von der Arbeitsgemeinschaft. Denn schließlich erreiche die Kirche mit keiner anderen regelmäßigen Veranstaltung Woche für Woche so viele Menschen wie mit dem Religionsunterricht: Rund 400.000. Dabei ist der Unterricht freiwillig - um die Schülerinnen und Schüler zu halten, bedürfe es also einer »möglichst hohen Qualität, um die in Bayern noch so breite Akzeptanz zu erhalten«, warnt Utzschneider. Dazu sei freilich eine Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer mit geeigneten Unterrichtsmaterialien unabdingbar.
»Besonders skurril« findet Utzschneider, dass die Kirche an anderer Stelle des Sparpapiers künftig rund vier Millionen Euro mehr an Staatsmitteln für den Religionsunterricht einfordern will - gleichzeitig aber ihre eigene Unterstützung des Unterrichts streicht. »Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kirche ihre eigene Zukunft nicht genügend im Auge hat, wenn sie der Begegnung der Jugend mit christlichem Denken nicht größtmögliche Unterstützung zuteil werden lässt«, heißt es in dem Schreiben.
Die Materialstelle, Ende der 60er Jahre gegründet, versorgt rund 1500 Religionslehrer drei- bis viermal jährlich mit Arbeitshilfen, die genau auf die bayerischen Lehrpläne abgestimmt sind. Außerdem dient sie als Anlaufstelle und Informationszentrale für alle am Gymnasium unterrichtenden Religionslehrer in Bayern.
thg
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