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Ausgabe - vom (Datum): 17-27.04.2003




Beim Sparen verrechnet

Der Lenkungsgruppe der Landessynode sind offenbar Pannen unterlaufen

Windsbach/Nürnberg. Die Lenkungsgruppe, die im Auftrag der Landessynode Vorschläge für ein 75-Millionen-Euro-Sparpaket geschnürt hat, ist in mehreren Fällen falschem Zahlenmaterial aufgesessen. Betroffen sind nach derzeitigem Stand die Berechnungen für den Windsbacher Knabenchor und den Landesverband evangelischer Kindertageseinrichtungen.

In Windsbach darf man aufatmen: Die drohende Streichung von 740.000 Euro, die das Aus für das Ensemble bedeutet hätte, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Die Sparkommissare hielten den regulären Zuschuss des Sängerinternats offensichtlich irrtümlich für eine Sonderzuwendung, die man wieder einkassieren könne. »Wir gehen von einem haushaltstechnischen Fehler aus«, zeigte sich der Windsbacher Internatsleiter Thomas Miederer erleichtert. Eine offizielle Richtigstellung liege ihm jedoch noch nicht vor. Die Nachricht von der Existenzgefährdung des Windsbacher Knabenchors hatte zu einer Welle von Protesten geführt.

Falsch gerechnet hat der Ausschuss auch beim Landesverband der evangelischen Kindertageseinrichtungen. Dem Verband mit seinen 34 Mitarbeitern soll nach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe der kirchliche Zuschuss von rund einer Million Euro jährlich komplett gestrichen werden. Diese Einbuße könne bei den rund 1200 Kindergärten und Kindertagesstätten in ganz Bayern, die als Mitglieder angeschlossen sind, wieder eingetrieben werden, empfahl die Kommission und errechnete eine Erhöhung des Einzelbeitrags von 96 auf 300 Euro.

Tatsächlich aber zahlt nach Angaben von Verbandsgeschäftsführer Klaus Kuhn (Nürnberg) schon heute ein dreigruppiger Kindergarten einen Mitgliedsbeitrag von 384 Euro an den Dachverband - je 96 Euro pro Gruppe und noch einmal 96 Euro für die gesamte Einrichtung. Um den Zuschussausfall zu kompensieren, müsste der Beitrag - wieder für eine dreigruppige Einrichtung gerechnet -nicht auf 300, sondern auf 1692 Euro pro Jahr steigen. »Das kann man nicht unbegrenzt weitergeben«, sagt Kuhn. Anders als von der Kommission dargestellt, werde der Beratungsbedarf in den nächsten Jahren auch nicht zurückgehen, sondern aufgrund verschiedener anstehender Gesetzesänderungen drastisch steigen.

Der Vorsitzende des Verbandes, Paul-Hermann Zellfelder-Held, warnt vor den politischen Folgen eines kirchlichen Rückzugs aus der Fachberatung für die Kindergärten: »Hier steht die Glaubwürdigkeit der Kirche den jungen Familien gegenüber auf dem Spiel.« Die Umsetzung der Sparpläne würde jedenfalls das Ende der Verbandsarbeit bedeuten: »Dann können wir nur noch die weiße Flagge raushängen.«

Schwere handwerkliche Fehler wirft auch der frühere Oberkirchenrat Werner Hofmann der Sparkommission vor. So könne man nicht einfach bei Schließung der Kirchensteuerämter acht Millionen Euro an Einsparungen verbuchen, sondern müsse die Erhebungskosten des Staates gegenrechnen. Auch bestünden für Zuwendungen wie an die EKD oder an das Diakonische Werk gesetzliche Verpflichtungen, die eine Streichung der Gelder unmöglich machten. Auch Diakoniepräsident Ludwig Markert sprach inzwischen von »zahlreichen Ungereimtheiten, die sehr viel Nacharbeit nötig machen«.

Thomas Greif/Peter Reindl



 GIFTLISTE: Eine Abschrift der auf der Synode in Würzburg präsentierten sogenannte »Giftliste« finden Sie hier:

sparvorschlag.pdf (Acrobat Reader nötig, 610 kB)
sparvorschlag.rtf (Rich Text Format, 142 kB)

Bitte beachten Sie, dass seither einige der Vorschläge bereits korrigiert werden mussten. Bei der Abschrift haben wir uns um große Sorgfalt bemüht, dennoch sind Fehler möglich.



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 GIFTLISTE: Eine Abschrift der auf der Synode in Würzburg präsentierten sogenannte »Giftliste« finden Sie hier:

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Bitte beachten Sie, dass seither einige der Vorschläge bereits korrigiert werden mussten. Bei der Abschrift haben wir uns um große Sorgfalt bemüht, dennoch sind Fehler möglich.


/03/2003_17_08_01.php
abgerufen 07.02.2012, 10.40 Uhr
zuletzt geändert 16.12.2009, 16.57 Uhr

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