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Ausgabe - vom (Datum): 15-13.04.2003
Sagen Sie mal, Händler...
...hat sich Ihr Verhältnis zu Jesus inzwischen wieder normalisiert?
Händler: Nicht wirklich. Immerhin hat mir dieser Herr meine Geschäftsgrundlage vernichtet. Predigt Feindesliebe und vertreibt uns dann aus dem Tempel. Einen schönen Heiligen haben Sie da...
Vertreibung der Händler. Repro: sob
Moment. Sicherlich hat er Sie ganz ruhig gebeten, den Vorhof des Tempels zu verlassen.
Händler: Ruhig und bedacht? Soll ich lachen oder was? Er kam auf den Platz. Man munkelte, dieser Mann sei der Wanderprediger aus Galiläa, über den so viel geredet wurde. Ein Softie, der die Feinde liebt und der keiner Fliege was zu Leide tun würde.
Hat er ja wohl auch nicht, oder?
Händler: Haben Sie 'ne Ahnung. Mit irrem Blick stürmte er sofort auf unsere Verkaufstische zu und schob die ganzen Opfertiere zur Seite. Meine Kasse fiel mir so unglücklich auf die Hand, dass ich mir den kleinen Finger brach.
Uii. Zeigen Sie mal.
Händler: (zeigt verbundenen Finger)
Jesus wurden doch Heilungskräfte zugesprochen. Sie hätten ihn also gleich bitten können, die Wunde zu heilen...
Händler: Nein, nein. Er heilte ja nur diejenigen, die an ihn glaubten. Und das konnte ich nicht mehr. Ich dachte: Was für ein Heuchler. Predigt Frieden und macht Radau. Ich bin zum Arzt gegangen und hab mir den Finger schienen lassen. Und dann hab ich meine Siebensachen mühsam eingesammelt und den Tisch repariert. Hatte ich einen Groll in mir...
Sie haben gar nicht verstanden, weshalb Jesus so gehandelt hat?
Händler: Kein bisschen. Als er fertig war mit Rumrandalieren, hat er sich auf die Mitte des Platzes gestellt. Es herrschte richtig Aufruhr, und mit lauter Stimme hat er gerufen: »Steht nicht in der Schrift: 'Mein Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker'?« Blöde Frage. Natürlich steht das da. Aber wir haben das doch nie in Frage gestellt! Wir haben nur die Opfergaben verkauft, die die Pilger dann im Tempel brauchten. Was kann daran falsch sein? Seit Jahrhunderten war das so, und niemand hat sich dran gestört. Nur weil da so ein hergelaufener Prediger kommt, sollte alles anders werden? Ts ts...
Sicherlich haben Sie später vom weiteren Schicksal dieses Radaubruders gehört.
Händler: Klar. Ich hab ihn sogar durch die Straßen ziehen sehen. Als zum Tode Verurteilter trug er sein Kreuz zum Berg Golgata. Ins Nachdenken bin ich da schon gekommen.
Und?
Händler: Die Szene hatte etwas sehr Ernsthaftes. Auf seinem Gesicht erkannte ich Wahrhaftigkeit. Zwar war ich immer noch sauer auf ihn. Aber ein Gefühl von Mitleid mischte sich dazu. Wäre er nur radaumäßig drauf gewesen, hätte er sich kaum so demütigen lassen. Ich dachte mir: Dass er uns so rabiat vertrieben hat, musste ein Ausrutscher gewesen sein.
Nach dem Motto: Jeder flippt mal aus?
Händler: So ungefähr.
Und Ihr Geschäft?
Händler: Wir durften wieder in den Tempel-Vorhof einziehen. Keiner der Tempelwächter hatte etwas dagegen. Also hab ich meine Tauben weiter verkauft.
Ohne Skrupel?
Händler: Ohne jeden Skrupel. Ich lass mich doch nicht von so einem vertreiben. Außerdem: Wovon hätte ich meine Familie ernähren sollen? Das Geschäft ist wichtiger...
... als der Glaube?
Händler: Moment. Sie sind Christ, ich bin Jude geblieben. Also diktieren Sie mir gefälligst kein schlechtes Gewissen.
Aber nein. Gutes Geschäft weiterhin.
Interview: Juliane Werding & Uwe Birnstein
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DIE HÄNDLER im Vorhof des Jerusalemer Tempels verkauften an die Pilger die gesetzlich vorgeschriebenen Opfergaben. Der Markt stand unter priesterlicher Aufsicht, war also offiziell genehmigt. Jesus zitierte ein Wort des Propheten Jesaja und vertrieb die Händler. Die Geschichte hat einen symbolischen Hintergrund: Das Betreten des Tempelhofes war für Nichtjuden strikt verboten. Jesus möchte den Tempel wieder als Bethaus »für alle Völker« zugänglich machen. Quelle: Markus 11, 15-19
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| Die Sängerin Juliane Werding und der Theologe Uwe Birnstein interviewen zum ökumenischen Jahr der Bibel 2003 Jesus, Maria und andere prominente Männer und Frauen der Heiligen Schrift. |
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