Ausgabe - vom (Datum): 15-13.04.2003
Stimmen zu den Sparvorhaben der Kirche
Alles nur ein Gedankenspiel?
Zu Einsparungen in Höhe von 850.000 Euro sind die drei bayerischen Landvolkshochschulen auf dem Hesselberg, in Bad Alexandersbad und Pappenheim angehalten. Dabei hat der Lenkungsausschuss allerdings deutlich gemacht, dass künftig zwei Häuser reichen müssen. Die Entscheidung hierüber soll der Träger der Einrichtungen, der Verein der Evangelischen Heimvolkshochschulen, selber fällen.
»Tragisch, dass jetzt Existenzkämpfe anstehen«, sagt Günther Werner, Leiter der Landvolkshochschule Pappenheim. Sein Haus mit seinen 87 Mitarbeitern hat im Augenblick offenbar die schlechtesten Karten. Das vorgesehene Kürzungsvolumen von 100 Prozent der Zuschüsse würde nach Werners Worten »unser Ende« bedeuten: »Mit null Zuschuss können wir nicht überleben.« Ein Krisenstab ist bereits gegründet.
Die Alarmglocken schrillen auch im Nürnberger Predigerseminar. Künftig soll es in Bayern nur noch eine derartige Einrichtung geben, macht rund 425.000 Euro Einsparung. Langfristig stellt sich der Lenkungsausschuss sogar den »Verkauf von Haus und Grundstück« vor. Rektorin Sieglinde Klemm geht noch davon aus, dass dies alles nur ein Gedankenspiel ist.
Unter den landeskirchlichen Beauftragen, auf deren Dienste die Kirche künftig verzichten will, ist auch Schwerhörigenpfarrer Volker Schmeling, was dieser als »falsches Signal« empfindet. Die angedachte Zusammenlegung von Schwerhörigen- und Gehörlosenseelsorge findet er absurd - genauso übrigens wie Gehörlosenpfarrer Joachim Klenk, der sich angesichts der Sparpläne die Frage stellt, ob in der bayerischen Landeskirche überhaupt noch das Prinzip des Minderheitenschutzes gelte.
Rund 740.000 Euro an kirchlichen Zuschüssen soll künftig der Windsbacher Knabenchor weniger bekommen. Damit würde dem Vorzeigeensemble mit Weltgeltung schlicht die Luft abgedrückt. Noch hoffen die Windsbacher Verantwortlichen, dass den Sparkommissaren nur ein haushaltstechnischer Fehler unterlaufen ist. Wenn aber nicht? »Dann kann ich hier zumachen«, sagt Thomas Miederer, Leiter des Sängerinternats. Denn wenn das Sängerdomizil schließen müsse, dann könne auch der Chor für immer nach Hause gehen.
Einen Totalverzicht auf kirchliche Zuschüsse muss nach den vorliegenden Plänen auch die Tagungsstätte Wildbad in Rothenburg ob der Tauber verkraften. Nach den Worten von Tagungsleiter Siegfried Hanselmann würde dies jedoch lediglich die Gebühren für kirchliche Gruppen erhöhen, die das Haus zu 90 Prozent belegen.
Mehr als 20 Prozent Zuschuss (600.000 Euro) soll das Nürnberger Amt für Gemeindedienst einbüßen. Sogar an seine völlige Auflösung ist gedacht. Auf rund 33 Prozent (900.000 Euro) beläuft sich die Reduzierung beim Religionspädagogischen Zentrum in Heilsbronn, der zentralen Aus- und Fortbildungsstätte für evangelische Religionspädagogen. »Das ist im Moment unvorstellbar«, sagt sein Leiter Klaus Buhl.
Der Vorsitzende der Evangelischen Erwachsenenbildung, Waldemar Pisarski, kritisiert die Streichliste: »Ich habe Angst, dass die Kirche provinzieller wird.« Pisarski bedauert, dass die Aktivitäten, die den Kontakt mit den distanzierten Christen suchen, zurückgefahren werden. Pisarski würde »dort sparen, wo es Dubletten gibt«. Wenn zum Beispiel in einer Großstadt sechs Kirchen auf einem Quadratkilometer existieren, die jeden Sonntag Gottesdienste mit jeweils nicht mehr als 40 bis 60 Leuten anbieten.
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