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Ausgabe - vom (Datum): 11-16.03.2003




Serie: Interviews mit Personen der Bibel

Sagen Sie mal, Herr Belschazzar,...



Das Fest des Belsazar, Gemälde von Rembrandt

  "Das Fest des Belsazar, Gemälde von Rembrandt, 1635, National Gallery, London. Repro sob



 ...wissen Sie inzwischen, was »mene mene tekel u-parsin« bedeutet?

Belschazzar: Ich bitte Sie - natürlich. »Gewogen und für zu leicht befunden.« Ich hatte wahrlich genug Zeit, darüber nachzudenken.

 Und, ist was dabei herausgekommen?

Belschazzar: Ja. Diese ganze Aktion mit dem Festgelage war nicht so toll... Wir hätten einfach aus unseren eigenen Krügen saufen sollen statt aus den goldenen Beute-Bechern...

 ...die Sie aus Jerusalem gestohlen hatten.

Belschazzar: Eben. Zuerst dachte ich, ich sei betrunken und würde weiße Mäuse sehen. Auf einmal entdeckte ich an der Wand diese geheimnisvollen Buchstaben. Eine unsichtbare Hand schrieb langsam auf die Mauer - mir unbekannte Zeichen. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen und konnte sie nicht entziffern.

 Ihre weisen Männer am Hofe auch nicht.

Belschazzar: Ja, das hat mich noch stutziger werden lassen. Man berichtete mir später, ich sei kreidebleich geworden. Genau so hab ich mich auch gefühlt.

 Bis Ihre Mutter Ihnen einen wertvollen Tipp gab.

Belschazzar: Auf ihren Rat hin holte ich Daniel, einen jüdischen Propheten, der bei uns lebte. Komischerweise hat er alle Belohnungen abgelehnt, die ich ihm für die Entzifferung der Schrift angeboten hatte. Er schaute auf die Schrift und übersetzte sie. Es war eine Botschaft Gottes an mich. Da ich kein guter, gottesfürchtiger König sei, würde mein Reich zerteilt und unseren Feinden, den Persern, gegeben.

 Was dann auch eintrat. Erschreckend, nicht wahr?

Belschazzar: In der Tat. Noch erschreckender war allerdings, dass ich in derselben Nacht umgebracht wurde. Die Prophezeiung hatte sich hundertprozentig erfüllt. Aber darf ich Ihnen auch mal eine Frage stellen: Weshalb interessiert Sie das überhaupt? Für die meisten bin ich nur eine Randfigur der biblischen Geschichte.

 Der eigentlich Grund für unsere Frage: In Babylon, als derselben Stadt, in der Sie lebten, herrscht heute ein anderer König. Und wir fragen uns, ob auch er die Zeichen an der Wand sehen - und deuten - könnte. Hätten Sie einen Tipp für ihn?

Belschazzar: Verstehe, es geht also um einen meiner Nachfolger. Was ich ihm raten würde? Wissen Sie, hinterher ist man immer schlauer und wirkt dann leicht belehrend. Wünschen würde ich ihm jedenfalls, dass er es nicht so weit kommen lässt, bis das Menetekel an der Wand erscheint. Dass er Gott nicht verhöhnt.

 Dieser König ist aber gläubig. Sagt er.

Belschazzar: Als gläubig habe ich mich auch bezeichnet. Aber auf die Taten kommt es an. Ich habe meine Untertanen nicht besonders schlecht behandelt, bemühte mich gerecht zu sein - und trotzdem hat Gott mich abserviert.

 Da könnte Ihrem heutigen Nachfolger aber ziemlich Schlimmes bevorstehen.

Belschazzar: Vielleicht hat er die Zeichen an der Wand ja schon gesehen und kann sie nur nicht deuten?

 Mag sein.

Belschazzar: Also schicken Sie ihm einen frommen Mann, der ihm dabei hilft. Ihren Papst zum Beispiel. Und der soll ihm auch sagen: Abserviert zu werden, ist gar nicht so schlimm. Sie sehen ja: Ich erfreue mich bester Gesundheit hier im Jenseits. Und habe sogar aus der Geschichte gelernt.

 Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Juliane Werding & Uwe Birnstein

BUCHTIPP: Weitere Interviews finden Sie in dem Buch »Sagen Sie mal, Herr Jesus...« und andere Interviews mit Menschen der Bibel (Gütersloher Verlagshaus), das in der Claudius Buchhandlung im Forum, Herzog-Wilhelm-Straße 24, 80331 München, erhältlich ist. E-Mail: buchhandlung@claudius.de, Tel. (089) 5486299-0


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Eine Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie hier

ZUR PERSON
BELSCHAZZAR (auch Belsazar, gestorben um 539 v. Chr.) wirkte als Verwalter des Babylonischen Reichs für seinen Vater Nabonid. Im Buch des Propheten Daniel findet sich die Schilderung der letzten Nacht im Leben Belschazzars. Künstler aller Zeiten waren fasziniert von seinem Schicksal und verarbeiteten es in ihren Werken, unter anderem Heinrich Heine, Georg Friedrich Händel und Rembrandt.
Quelle: Daniel 5
@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet: www.
sagen-sie-mal.de


Interviews mit Personen der Bibel





Die Sängerin Juliane Werding und der Theologe Uwe Birnstein interviewen zum ökumenischen Jahr der Bibel 2003 Jesus, Maria und andere prominente Männer und Frauen der Heiligen Schrift.
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