Ausgabe - vom (Datum): 06-09.02.2003
Serie: Interviews mit Personen der Bibel
Sagen Sie mal, Frau Waschti,...
Wir wundern uns, dass Sie so unbekannt sind.
Waschti: Darüber wundere mich gar nicht. Dieses Schicksal teile ich mit vielen emanzipierten Frauen. Zumal lange Zeit Männer die Geschichtsbücher geschrieben haben.
Das war ja auch eine wirklich reife Leistung damals. Sie haben erst Ihren Mann - immerhin der persische König Xerxes! - vorgeführt und dann die gesamte Männerwelt in Aufruhr versetzt.
Waschti (lacht): Und das mit minimalem Einsatz! Ich wollte mich lediglich nicht präsentieren lassen vor den geifernden Säcken, mit denen mein Mann da seit Wochen aß und trank. Eine sechsmonatige Palast-Party, verstehen Sie? Mit den führenden Männern unseres Reiches. Denen wollte er seinen unermesslichen Reichtum zeigen. Gockelkämpfe, wenn Sie mich fragen. Kindergartenspiele.
Andererseits wären Sie als Königin Ihrem Mann zur Loyalität verpflichtet gewesen.
Waschti: Ach - war er denn loyal zu mir? Er kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich solche Auftritte hasste. Ihm allein zeigte ich meine Schönheit oft und gerne und in voller Pracht. Aber da hielt ich es wie mit dem Beten: Im stillen Kämmerlein ist es okay, aber vor anderen nicht. Weil es da schnell zur Schau der Eitelkeiten wird. Ich bin doch mehr als ein Schmuckstück seiner Schatzkammern gewesen!
Während Ihr Mann mit seinen Geschlechtsgenossen feierte, haben Sie ein Frauenfest im Palast organisiert. Sie hätten Ihrem Mann ja auch eins auswischen können, indem Sie ihn dort präsentiert hätten.
Waschti: Witzige Vorstellung. Weshalb das nicht funktioniert hätte, sag ich Ihnen: Männer sind meistens eitel. Als Hahn im Korb hätte er sich womöglich noch wohl gefühlt und seinen Kamm anschwellen lassen.
Es sei denn, Sie hätten ihn ausgelacht.
Waschti: Ich bitte Sie: Er war mein Mann, ich liebte ihn! Diese Schmach wollte ich ihm natürlich ersparen damals.
Heute vermutlich nicht mehr.
Waschti: Stimmt. Er hat mich kaltblütig abgesetzt und sich eine Königin genommen. Eine junge, schöne Jüdin. Dafür könnte ich ihn bis heute verfluchen. In Träumen spiele ich dieses Szenarium aber manchmal durch. Xerxes auf einem Podest in seiner Festtagsuniform - und während er eine ach-so-wichtige Ansprache hält, tuscheln wir Frauen erst, sehen ihn dann an und lachen lauthals los. Von dem Lachen wache ich dann leider immer auf.
Schön, dass Sie sich Ihren Humor bewahrt haben. Vielen Dank für das Gespräch
Interview: Juliane Werding & Uwe Birnstein
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