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Ausgabe - vom (Datum): 50-15.12.2002




MEDIEN-KOLUMNE

Stiller Macher im Hintergrund

Jede Woche 24 Stunden Verkündigungsprogramm wird in den öffentlich-rechtlichen Sendern deutschlandweit fürs Radio produziert und 72 Stunden Fernsehen übers Jahr. Dazu kommen die Programme der Fachredaktionen, die über Religion und Kirche berichten. Trotzdem nimmt die Klage unter den Christen zu, Kirche würde im Programm kaum mehr auffindbar sein.

Dieser Eindruck entsteht wohl weniger, weil es an christlichen Programmen fehlt, als vielmehr deshalb, weil christliche Programme in den vergangenen Jahren zunehmend in die wenig gehörten Kulturprogramme abgedrängt worden sind. Anders ist dies beim Bayerischen Rundfunk. Die Morgenfeier am Sonntagmorgen und die kurzen Beiträge von »Auf ein Wort« konnten sich auf den Sendern B1 und B3 halten, ja sie sind ein geschätzter Part im Volksprogramm.

Dies ist wohl weniger ein Verdienst kirchlicher Lobbyarbeit, als vielmehr das Verdienst eines erfolgreichen Beitrags der Kirchen zum Programm. Und damit das Verdienst des Rundfunkbeauftragten.

In diesen Tagen wurde in der Akademie Tutzing der Rundfunkbeauftragte der Bayerischen Landeskirche Kirchenrat Helmut Breit beim BR nach zwölfjähriger Tätigkeit verabschiedet. Er war all diese Zeit eine Art Makler zwischen Kirche und Sender in rundfunkpolitischen Fragen, er war eine Art »Headhunter«, ein Personaljäger also zum Auffinden medientauglicher Theologen, er war eine Art Hebamme bei der Entstehung sendefähiger geistlicher Texte.

Ein Rundfunkbeauftragter ist ein leiser Diplomat. Er ist dafür zuständig, dass die christliche Botschaft quotentauglich bleibt, dass Texte pünktlich und formal akzeptabel geliefert werden. Er muss etwas von Theologie verstehen, vom Predigen und Sprechen und von der Kamera. Er muss etwas von Musik verstehen und sich mit der Cutterin fachmännisch unterhalten können. Er muss eine dreißigköpfige Rotte von Kabelträgern und Lichtexperten und Tonmeistern bei einer Live-Übertragung zu bester Leistung motivieren und die Gemeinden, aus denen übertragen wird, dazu. Kurz: Er bringt all seine Talente für andere ein.

Die Bilanz, die der scheidende Rundfunkbeauftragte Helmut Breit vorweisen kann, ist eindrucksvoll: Die Fernsehgottesdienste sind Quotenhits am Sonntagmorgen. Die Morgenfeier in B1 hören im Durchschnitt 700000 Menschen und die Kurzandachten sind aus dem Hörfunkprogramm kaum wegzudenken. Als vor einem Jahr ein journalistischer Profi die Verkündigungsprogramme im BR beurteilen sollte, kam er zu dem Schluss, dass das evangelische Programm formal und inhaltlich höchsten Ansprüchen genüge. Ja. Es gibt auch im kirchlichen Geschäft sichtbare Erfolge.

Johanna Haberer

Johanna Haberer beobachtet in einer monatlichen Kolumne die Medienlandschaft. Die Autorin, vormalige Chefredakteurin des Sonntagsblattes, ist Professorin für Christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät Erlangen.


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