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Ausgabe - vom (Datum): 30-28.07.2002




(Fortsetzung)

 Stiftungsbild aus dem Perikopenbuch Heinrichs


  Christus krönt Heinrich und Kunigunde, die mit ihren Fürsprechern, den Bamberger Patronen Petrus und Paulus, vor Christus erscheinen (oberer Teil); darunter huldigen Personifikationen der Provinzen (Roma, Germania, Gallia) den Gekrönten. Stiftungsbild aus dem Perikopenbuch Heinrichs, gefertigt in seinem Auftrag von Malermönchen der Insel Reichenau/Bodensee zur Domweihe am 6. Mai 1012. Foto: sob




Auch ohne die Landesausstellung ist der Bamberger Domberg so etwas wie ein steter Brückenschlag aus Heinrichs Zeiten in die Gegenwart. »Fränkisches Rom« nannte man die Stadt seinerzeit; der Chronist Gerhard von Seeon schrieb 1012 gar von der »neuen Hauptstadt der Welt, der Wiege jeglichen Ruhms«. Die Kirchbauten bilden ein riesiges, gedachtes Kreuz, eine sakrale Stadtlandschaft. Der Dom mit dem Hochgrab des Kaiserpaares von der Hand Tilman Riemenschneiders, das Diözesanmuseum und die Staatsbibliothek nebenan mit ihren Kaisermänteln und kostbaren Evangeliaren erinnern an den großzügigen Gründervater des Bistums.

Alle drei Orte sind ins Gesamtkonzept der Ausstellung einbezogen, wobei mitunter nur die schon vorhandenen Vitrinen mit neuen Katalognummern zu beschriften waren. Außergewöhnlich und nur einen Sommer lang zu erleben ist dagegen der Kern der Präsentation in der Alten Hofhaltung, der den Besucher aus dem Halbdunkel des hochmittelalterlichen Heidentums in Oberfranken in das Licht der Regentschaft Heinrichs II. führt. Hier sind die meisten jener Stücke zu bestaunen, die aus Sammlungen in ganz Europa stammen und eine Versicherungssumme beanspruchen, die weit jenseits einer halben Milliarde Euro liegt. Heinrichs Perikopenbuch ist darunter, das seit der Einverleibung des Bamberger Fürstbistums 1803 in das Königreich Bayern zu den kostbarsten Büchern der Bayerischen Staatsbibliothek gehört, eine Replik der Kaiserkrone (aus dem Historischen Museum in Frankfurt/Main), Münzen, Schmuck, Kaiserurkunden, Werkzeuge und Waffen.

Neben den Schmuckstücken hinter Glas besticht die Ausstellung freilich vor allem durch ihre kreative Konzeption, die auch einmal Platz für vorsichtige Ironie lässt. So darf in einem Begleitfilm, der den Besuch von Past Benedikt VIII. in Bamberg nachstellt, neben mittelalterlich gewandeten Statisten auch ein Tourist mit vorgehaltener Kamera durch die Kulisse stiefeln. Schwert, Helm und Kettenpanzer lassen dank der Aufforderung »Bitte berühren!« die Bürden eines mittelalterlichen Kriegers erahnen. Die eingangs zitierten fresswütigen Baiern haben die Ausstellungsmacher besonders transparent dargestellt: Als Heuschreckenschwarm, der die entsprechende Tafel umlagert. Öffnungszeiten: Die Bayerische Landesausstellung 2002 »Heinrich II.« in Bamberg ist noch bis zum 20. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Josef Kirmeier (Hg.): Kaiser Heinrich II. 1002-1024., Augsburg 2002, 440 S., zahlreiche Abb., 18 Euro.

Weitere Informationen unter www.heinrichII.deoder unter www.hdbg.de


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