Ausgabe - vom (Datum): 26-30.06.2002
Der Jugendbuchpreisträger Josef Guggenmos wird 80 Jahre alt
»Ich hab`s mit eigenen Ohren gesehn«
Wer kennt Herrn Stibitzdiwitz, den Riesen Häuserlupf oder die höfliche Ameise, die »Verzeihung« sagt? Was denkt die Maus am Donnerstag und wie wäre das, aus Glas zu sein? Josef Guggenmos hat ungezählte lustige Figuren erfunden, unsinnige und nachdenkliche Verse geschrieben oder Zungenbrecher und Lügenmärchen gereimt. Sie fehlen in kaum einem deutschsprachigen Schullesebuch.
Der vielfache Jugendbuchpreisträger feiert am 2. Juli in seinem Geburtsort Irsee im Allgäu seinen 80. Geburtstag. »Das kommt ganz von allein«, sagt der Dichter bescheiden, wenn er gefragt wird, woher er die Ideen für seine inzwischen weit über 1000 Gedichte nimmt. Aus der Natur, aus den vielen Beobachtungen von Tieren und den Pflanzen entspringt ein guter Teil seiner Verse. Seine Jugend hat er im Wald und auf Wiesen, zwischen Kühen und Holunderbüschen verbracht. »Ich kannte jedes Unkraut«, erinnert er sich. Jetzt, im Alter, schreibt Guggenmos ab und an Haikus (japanische Dreizeiler), und die Natur und ihre Jahreszeiten spielen darin weiter die Hauptrolle: »Ich lege mein Ohr an den Ahorn, fast hör ich es schlagen sein Herz«, ist eines seiner neueren Gedichte.
Als Guggenmos in St. Ottilien zur Schule ging, wollte er Benediktinerpater werden, erzählt er. Doch der neugierige junge Mann studierte dann Kunstgeschichte, Germanistik und Archäologie, ein wenig Indologie und Japanisch. Er lernte im Krieg Estland kennen, verbrachte eine Zeit in Finnland, ein paar Jahre in Österreich und kehrte in den 50er-Jahren wieder ins Allgäu zurück, um »sesshaft zu werden«, wie er sagt. Drei Töchtern erzählte der Dichter seine Geschichten.
Als Lektor eines Verlages entdeckte Guggenmos sein eigenes Talent, für Kinder zu schreiben. Seine ersten Verse mit dem Titel »Lustige Verse für kleine Leute« gab 1956 der evangelische Verlag »Agentur des Rauhen Hauses« in Hamburg heraus. 1967 kam der Durchbruch mit dem Gedichtband »Was denkt die Maus am Donnerstag?« Als »Höhepunkt deutscher Kinderlyrik« bezeichnet die Kritik 1971 das Buch »Gorilla ärgere dich nicht«.
Literatur für Kinder sei eine »Kunst mit vielen Bällen«, betont Guggenmos. »Das Kind hat das Recht auf das Echte. Wer ihm mit Mache kommt, zeigt, dass er das Beste im Kind nicht begriffen hat«.
Sein Förderer und Verleger Hans-Joachim Gelberg (Verlag Beltz und Gelberg), vergleicht den Schriftsteller Guggenmos mit großen Namen der Literatur. »Von dem Lyriker Morgenstern, einem der größten deutscher Sprache, bis zum Lyriker Josef Guggenmos ist es nicht mehr weit«, sagte Gelberg einmal und stellt ihn auch neben Ernst Jandl und Robert Gernhardt. Qualitätsvolle Jugend- und Kinderliteratur kann man daran erkennen, dass sie Kinder unterhält und die Erwachsenen nicht langweilt. Guggenmos schafft es, dass sich auch die Eltern amüsieren über die »unberachenbere Schreibmischane« und den geflügelten Guggenmos-Satz: »Ich hab's mit eigenen Ohren gesehn«.
Jutta Olschewski
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