Home Archiv

 

Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Gästebuch
Impressum
 

Ausgabe - vom (Datum): 23-09.06.2002




Falsche Hilferufe aus dem Internet

Von Sandra Hofmann

Meine Freundin hat Leukämie, wir brauchen einen Knochenmarkspender mit der Blutgruppe AB Rhesus negativ!« Diesen Hilferuf kennen wohl die meisten Internetnutzer. Der Brief von einer Julia Schmid mit dem Aufruf zur Knochenmarkspende geistert seit etwa vier Jahren durch das Netz. Julia Schmid allerdings ist untergetaucht. Seit zwei Jahren ist sie für niemanden mehr erreichbar. Sie war wie viele dem Aufruf gefolgt, die Nachricht weiterzuleiten.

Das dürfte sie inzwischen bereut haben. Denn ihre Adresse kam so auf den Brief, und Julia wurde in der Folge bombardiert mit Anrufen und E-Mails von Leuten, die es gut mit ihr meinten. Reingefallen ist Julia auf einen so genannten Hoax-Kettenbrief. Mit dem englischen Begriff Hoax für Scherz, bezeichnet man falsche Internetmeldungen.

Altbekannte Hoax kommen in Wellen immer wieder, erklärt Frank Ziemann. Ziemann ist für die Administration der Computer der Technischen Universität Berlin zuständig. Er hat seine Erfahrungen mit Hoax gesammelt und eine Internetseite über dieses Phänomen erstellt. Nach seinen Informationen sind im Moment wieder viele Briefe im Umlauf, in denen zu lesen ist, Microsoft und AOL würden sich zusammenschließen und viel Geld bezahlen, wenn man bereit sei, bei der Erprobung neuer Software zu helfen. Man müsse diese Mail nur an möglichst viele Freunde weitersenden. Wenn in E-Mails große Firmen aus dem Bereich Computersoftware genannt würden, sei relativ sicher, dass es sich um eine Falschmeldung handle, betont Ziemann. »Und wenn ein Brief mit `schick ihn allen, die du kennst` beginnt, dann kann man davon ausgehen, dass man eine Hoax bekommen hat«.

So ist es auch bei der gerade wieder sehr häufigen Meldung über die kranke Rachel Arlington. Rachel soll ein kleines Mädchen aus Zimbabwe sein, dem die nötige Operation nur gezahlt werden kann, wenn alle Empfänger des Kettenbriefs diesen drei Mal weiterschicken. Der Verfasser appelliert an die Hilfsbereitschaft der Internetnutzer, denn AOL soll angeblich so nett sein und Rachels Familie für jede versandte Mail 32 Cents zahlen. Alle diese Aufforderungen, Briefe oder Hilferufe hätten eines gemeinsam, meint Ziemann: Ihr Inhalt sei meist frei erfunden.

Die Motivation der Verfasser solcher Hoax lässt sich kaum klären. Frank Ziemann ist überzeugt, dass diese Kettenbriefe oftmals der Sammlung von Internetadressen dienten. Und viele der Erfinder solcher Falschmeldungen würde es auch befriedigen, zu sehen, dass ihre Hoax in aller Welt bekannt wird und vielleicht sogar wieder in ihrem eigenen Computer landet.

Viruswarnungen würden gerne auch bewusst ins Internet gesetzt. Mit dem Hinweis, bekannte Firmen wie IBM, Microsoft oder AOL würden vor einem Virus warnen, werden ahnungslose Empfänger der Botschaften aufgefordert, wichtige Dateien zu löschen. Probleme gebe es mit solchen Aufrufen besonders im Nachbarland, so Ziemanns Erfahrung. »Die Österreicher glauben fast alles, was sie im Internet lesen. Deshalb kursieren dort bald so viele Hoax wie in den USA!«


@ Im Internet: Informationen unter www.hoax-info.de


 Übersicht |  Druckversion |  Textdatei